Heinen, Norbert und Tönnihsen, Gerd (Hrsg): Rehabilitation
und Rentabilität -
Herausforderungen an die Werkstatt für behinderte Menschen. Mit Beiträgen von Caroline Hauf, Esther Hövelmann, Andreas Laumann, Claudia Marquardt, Caren Michels u. Thorsten Zöller. (Broschiert) ![]() |
![]() |
Die Einrichtung von Werkstätten für Menschen mit geistiger
Behinderung zu Beginn der 60er Jahre ist weitgehend auf die Initiative
der BUNDESVEREINIGUNG LEBENSHILFE zurückzuführen, die das
Konzept
der „Beschützenden Werkstatt“ entwickelte und dessen Realisierung
vorantrieb. Eine Beschleunigung erfuhr diese Entwicklung durch das
Bundessozialhilfegesetz
von 1961, das die Werkstätten mit Heimen und Anstalten
gleichstellte.
Bereits 1968 existierten 140 Werkstätten mit ca.°5300
Mitarbeitern.
Während in dieser Anfangsphase keine Aufnahmekriterien galten, die
einen Ausschluß von schwerbehinderten Menschen vorsahen,
änderte
sich die Konzeption mit der 1974 durch Anwendung des
Schwerbehindertengesetzes
vollzogenen Umwandlung der „Beschützenden Werkstatt“ in die
„Werkstatt
für Behinderte“ dahingehend, dass nunmehr als Aufnahmekriterium
das
Erbringen eines „Mindestmaßes an wirtschaftlich verwertbarer
Arbeitsleistung“
galt, womit die Gefahr verbunden war, Menschen, die dieses Kriterium
nicht
erfüllen können, auszuschließen und die Errichtung von
alternativen Einrichtungen in Form von Tagesförderstätten
durchzusetzen
(vgl. SAVELSBERG 1987, 12f). Seitdem zeigt sich in der Bundesrepublik
ein
uneinheitliches Bild: Während ein Teil der Werkstätten diesen
Personenkreis aufnehmen und ihnen durch Teilhabe an
Produktionsprozessen
einen Dauerarbeitsplatz bieten, besuchen sie anderenorts den
Werkstätten
zugeordnete oder sie ersetzende Tagesförderstätten, in denen
sie betreut und gefördert werden, um ihnen durch diese
Maßnahmen
gegebenenfalls einen Wechsel in die Werkstatt für Behinderte zu
ermöglichen.
[...]
Es ist zu wünschen, daß es gelingt, auf der aktuellen
gesetzlichen
Grundlage sowohl die heterogenen institutionell-organisatorischen
Konzepte
als auch die Vielfalt der inhaltlichen und methodischen Konzeptionen
der
Ökonomie, die in den jeweiligen Einrichtungen richtungsweisend und
praxisrelevant sind, so zu gestalten, daß zukünftig kein
Mensch
mit Behinderung vom Besuch der etablierten Institutionen ausgeschlossen
werden wird. Dazu ist es allerdings notwendig, daß alle in der
Werkstatt
tätigen Professionen interdisziplinär zusammenwirken, um
durch
Synergieeffekte Ressourcen zu nutzen und Kapazitäten zu schaffen,
die ermöglichen, die anstehenden Aufgaben zu erkennen und
konstruktive
und richtungsweisende Lösungen zu erarbeiten. Nur bei
Erfüllung
dieses Anspruchs kann die Werkstatt als wesentlicher den Alltag
behinderter
Menschen bestimmender und strukturierender Lebensraum ihren umfassenden
gesellschaftlichen Auftrag erfüllen und den ethisch-moralischen
Ansprüchen
einer humanen Gesellschaft dauerhaft gerecht werden.
Während die Herausgeber, Dr. Norbert Heinen als
Sonderpädagoge
an der Universität Köln und Gerd Tönnihsen als Leiter
einer
Werkstatt für behinderte Menschen, die Geschichte und die
derzeitige
Situation der Werkstätten für behinderte Menschen
umreißen,
beschäftigen sich vier Beiträge des Bandes mit einzelnen
aktuellen
Herausforderungen. Caroline Hauf und Claudia Marquardt
beschäftigen
sich mit dem Thema der Fortbildung in Werkstätten für
behinderte
Menschen. Esther Hövelmann und Andreas Laumann dagegen untersuchen
das aus historischen Gründen neue Problem des Altwerdens von
Menschen
mit geistiger Behinderung im Übergang vom Arbeitsleben in den
Ruhestand.
Caren Michels beleuchtet das Phänomen der Arbeitszufriedenheit und
der sie bedingenden Faktoren. Thorsten Zöller kommentiert die
organisatorischen
Bedingungen von Werkstätten unter dem Aspekt eines
Orientierungsbereichs,
der in stärker betreutem Umfeld die Wahl des für jeden
einzelnen
geeigneten Arbeitsplatzes erleichtern kann.
Buch: | ISBN 3-932174-90-9 | 19,98 Euro |
gata-verlag
Geisteswissenschaften & Elektronisches Publizieren
gata-verlag GbR, Inh.: Katrin Lutze,
Thomas Klein - Wilbertzhohn 5, 53783 Eitorf
Tel. 02243/3250 - Fax /3424 - Vk-Ers.nr.
86602 - e-mail: gata- verlag@t-online.de
Internet: http://www.gata-verlag.de
URL: http://www.gata-verlag.de/abstr90.htm; Stand: 12.06.2002